Oberrheinisches Literaturarchiv

Wertvolle Erstausgaben, Handschriften, Briefe und Dokumente von mehr als 150 Schriftsteller*innen.

Das Oberrheinische Literaturarchiv der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe bewahrt, erschließt und präsentiert das literarische Erbe der Region. Sein Sammlungsschwerpunkt liegt auf der Literatur am Oberrhein, insbesondere der des 19. Jahrhunderts. Den Grundstock bildet bis heute der Nachlass Joseph Victor von Scheffels.

Geschichte des Archivs

1917 war die Einrichtung eines (nicht zugänglichen) Scheffel-Archivs unter der Leitung von Werner Kremser erfolgt, in welchem der Nachlass von Joseph Victor von Scheffel gesichtet und geordnet werden konnte und welcher den Grundstock des späteren Scheffel-Museums bildete. Nach Gründung der Literarischen Gesellschaft, ursprünglich unter dem Namen „Deutscher Scheffel-Bund“, im Jahr 1924 in Heidelberg, übergab Leonie von Scheffel, die Schwiegertochter Scheffels, der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden den Nachlass Scheffels. Es war ihre Intention, das Erbe an einem zentralen Ort in Karlsruhe in einem ausschließlich von Scheffel gewidmeten Museum zu präsentieren, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Der Deutsche Scheffelbund verpflichtet sich, das Nachlassmaterial in einem zu gründenden Archiv und Museum mit dem Sitz in Karlsruhe, Baden, zu verwahren“, hieß es in dem Vertrag von 1925. Die erste Geschäftsstelle befand sich vorläufig in der Karlsruher Kaiserstraße 90, im Neubau der Rheinischen Creditbank. Dort standen auch zwei Räume für die Errichtung des Archivs zur Verfügung.

Der Nachlass Scheffels wird im Oberrheinischen Archiv verwahrt.
Der Nachlass Scheffels wird im Oberrheinischen Archiv verwahrt. © Alex Stiebritz

Angesichts des Kriegsgeschehens erfolgte 1943 die Unterbringung der gesamten Sammlungen während des Zweiten Weltkriegs aus Sicherheitsgründen im Keller des Scheffel-Museums im Haus Solms, dem zweiten Sitz des Deutschen Scheffel-Bunds (heute: Literarische Gesellschaft). Zur Rettung der Archiv- und Museumsgegenstände wurden diese schließlich in das Salzbergwerk Heilbronn und Kochendorf ausgelagert und konnten so fast vollständig gerettet werden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte der Rücktransport der Exponate nach Karlsruhe in das Städtische Archiv.

Dr. Reinhold Siegrist, Mitgründer des Deutschen Scheffel-Bunds hatte innerhalb seiner 40-jährigen Amtszeit aus einem kleinen Scheffel gewidmeten Zimmer ein Museum geschaffen, das einen Überblick über die Dichtkunst am Oberrhein vom hohen Mittelalter bis in die Gegenwart bot. Das Archiv war schließlich über viele Jahre hinweg der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Sammlungstätigkeit auf dem Gebiet von Handschriften, Scheffel-Dokumenten und Dichternachlässen schien größtenteils eingestellt worden zu sein. Dies wollte Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender 1993–2025, ändern. So sollte die gefährdete Existenzberechtigung der Literarischen Gesellschaft ab Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr nur durch die regelmäßigen Lesungen gewährleistet werden, sondern vor allem durch die Bewahrung unersetzlichen Kulturguts, die Archivierung und Bereitstellung und schließlich die museale Präsentation der Bücher, Handschriften und Gegenstände. Es war geplant, das Archiv um weitere oberrheinische Dichtung zu ergänzen und die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und mit der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zu intensivieren. Des Weiteren sollte von nun an ein öffentlich zugängliches Scheffel-Archiv entstehen, um die Sammlung für Institutionen und Forschungen nutzbar zu machen. Nachdem Schmidt-Bergmann 1995 bereits einen Antrag auf Eintrag des Scheffel-Archivs in das Denkmalbuch gestellt hatte, wurde das Archiv der Literarischen Gesellschaft 1997 in das „Verzeichnis national wertvoller Archive“ aufgenommen. Zum Schutz beweglicher Kulturdenkmale war ebenso eine Eintragung in das Denkmalbuch des Regierungsbezirks vorgesehen. Mit dem Eintrag sollten die Zersplitterung des Archivguts sowie die Verlagerung an einen aus konservatorischen oder anderen Gründen nicht geeigneten Standort verhindert werden.

Sammlungsschwerpunkte

Die Literarische Gesellschaft ist Trägerin des „Oberrheinischen Literaturarchivs“. Es verwahrt wertvolle Erstausgaben, Handschriften, Briefe und Dokumente von mehr als 150 Schriftsteller*innen rechts und links des Oberrheins. Der Schwerpunkt liegt auf dem 19. Jahrhundert, beginnend mit Johann Peter Hebel. Den Grundstock des Archivs bildet der Nachlass Joseph Victor von Scheffels: Dieser umfasst mehrere tausend Blatt Handschriften und Materialien zu allen großen Werken Scheffels, darunter Manuskripte zu Der Trompeter von Säckingen. Ein Sang vom Oberrhein, Gedichte, sämtliche Notiz- und Tagebücher, Reiseskizzen sowie Zeichnungen Scheffels, weitere künstlerische Arbeiten und eine kleine Gemälde- und Grafiksammlung. Neben der Sammlung von literarischen Nachlässen enthält das umfangreiche Handschriftenarchiv auch Handschriften von Paul Celan, Marie Luise Kaschnitz und vielen zeitgenössischen Autor*innen. Heute bildet die Literatur am Oberrhein, insbesondere die des 19. Jahrhunderts, den Sammlungsschwerpunkt des Oberrheinischen Literaturarchivs. Im Zentrum stehen der Nachlass und die Sammlung Joseph Victor von Scheffels. Dazu kommen die Nachlässe von Max Barth, Ernst Feuerstein, Friedrich Klose, Julius Overhoff, Rainer Ramstein-Schlegel, Friedrich Roth, Wolfgang Schwarz, Luise Bresslau-Hoff, Wilhelm Sauer, Wilhelm Zentner, Gerhard Büchner, Fritz Römhildt, Arno-Wolfgang Weigelt, Toni Rothmund, Reinhold Siegrist, Gerhard Heller, Konrad Winkler und Emil Frommel sowie ein Teil der Verlagskorrespondenz des Stahlberg Verlages, der Autor*innen wie Willi Heinrich, Arno Schmidt und Curzio Malaparte in Karlsruhe verlegt hat.

Die Johann Peter Hebel-Sammlung von Karl Fritz

Die Johann Peter Hebel-Sammlung von Karl Fritz besteht aus 500 Buchtiteln, darunter seltene Erstausgaben der Werke des Theologen, Dichters und Pädagogen, 70 wertvollen zeitgenössischen Grafiken, Illustrationen und Porträts von Hebel, künstlerischen Arbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich auf das Leben und Werk Hebels beziehen und einen einzigartigen Blick auf die künstlerische Auseinandersetzung mit Leben und Werk des Dichters ermöglichen. Übersetzungen der Werke in die europäischen und asiatischen Sprachen, zahlreiche Titel der Forschungsliteratur und schwer zugängliche Materialien, die die Rezeptionsgeschichte und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hebel dokumentieren, sind Bestandteil der Sammlung, ebenso wie die bedeutsamen Filmaufnahmen der Hebel-Preisverleihung in Hausen im Wiesental, beispielsweise die Ehrungen von Martin Heidegger, Elias Canetti oder Theodor Heuss.

Der Nachlass Joseph Victor von Scheffels

Grundstock der Sammlung der Literarischen Gesellschaft ist nach wie vor der Nachlass Joseph Victor von Scheffels. Dieser Nachlass umfasst mehrere tausend Blatt Handschriften und Materialien zu allen großen Werken von Scheffel, darunter die Manuskripte zu „Der Trompeter von Säckingen“ und „Ekkehard“, seine Reiseskizzen, sämtliche Notiz- und Tagebücher, die Gedichte sowie seine Zeichnungen und Aquarelle. Ergänzt werden die Materialien durch die erhaltene Korrespondenz, u.a. mit den Zeitgenossen und Freunden Carl Theodor Welcker, Friedrich Eggers und Paul Heyse, mit Anton von Werner und mit Großherzog Karl Alexander. Auch die Korrespondenz seiner Frau und der späteren Nachfahren ist gesammelt und heute, ebenso wie die Akten des „Deutschen Scheffel-Bunds“ seit 1924, Bestandteil des Oberrheinischen Literaturarchivs.

Die bedeutendsten Originale neben denen Scheffels sind die Illustrationen, Aquarelle und Bilder von Anton von Werner, die 1993 unter großer Beachtung der Öffentlichkeit in Berlin gezeigt werden konnten, dazu Briefe im Umkreis der Revolution von 1848 und vielfältige Dokumente zum kulturellen und literarischen Leben Badens und Württembergs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bibliografie

Die Bibliografie erfasst die Ausgaben der Werke Joseph Victor von Scheffels sowie die deutschsprachige und fremdsprachige Sekundärliteratur zu Scheffel aus dem Zeitraum 1945 bis 2011 nach Möglichkeit vollständig. Zu diesem Zweck wurden die in Abschnitt B verzeichneten Bibliografien und Nachschlagewerke ausgewertet. Die Ergebnisse gliedern sich wie folgt:

  • Abschnitt B: Liste der ausgewerteten Bibliografien und Nachschlagewerke (alphabetisch)
  • Abschnitt C: Werk- und Briefausgaben in deutscher und fremder Sprache (chronologisch nach ermitteltem Erscheinungsjahr)
  • Abschnitt D: Auszüge, Bearbeitungen, bibliophile Ausgaben, Vertonungen und Verfilmungen (chronologisch nach ermitteltem Erscheinungsjahr)
  • Abschnitt E: Register zu Abschnitt F (Werk-, Personen- und Ortsregister)
  • Abschnitt F: Sekundärliteratur (alphabetisch nach Verfassern; Werke desselben Verfassers chronologisch)

Die Bibliografie wurde zusammengestellt von:

  • Stefan Schank (Saarbrücken) – für den Zeitraum 1945 bis 2000
  • Jürgen Oppermann (Karlsruhe) – für den Zeitraum 2001 bis 2005
  • Nadine Frank (Karlsruhe) – für den Zeitraum 2006 bis 2011

Zum Nachlass Joseph Victor von Scheffels liegt zudem ein dreibändiges gedrucktes Inventar vor: Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Hansmartin Schwarzmaier (Hg.): Joseph Victor von Scheffel. Inventar zu Nachlass und Sammlung (Findbuch, 3 Bände), Karlsruhe 2000. Als Download liegen derzeit Band 1 und Band 2 vor.

Download:

Weitere Informationen finden Sie auf der SeiteScheffel-Bibliografie und Inventar.

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