Museum für Literatur am Oberrhein
Im 2. Obergeschoss des PrinzMaxPalais zeigt das Museum die Geschichte der Literatur am Oberrhein von der Klosterkultur bis in die digitale Gegenwart.
Geschichte des Museums
1926 wurde das Museum für Literatur am Oberrhein – damals noch unter dem Namen ‚Scheffel-Museum‘ – im damaligen Bibliotheksbau des Karlsruher Schlosses eröffnet und gehört damit zu den ersten Literaturmuseen in Deutschland. Das Scheffel-Museum in Karlsruhe wurde zu dem erwünschten attraktiven Ort, die Räume wurden schnell zu klein.



1932 konnte man im Haus Solms in der Bismarckstraße 24 in Karlsruhe größere Räume beziehen, 1936 erfolgte dort die Erweiterung zum ‚Badischen Dichtermuseum‘. Bisher hatte das Scheffel-Museum „in anschaulicher Weise die verschiedenen Etappen aus Leben und Schaffen des Dichters [gezeigt], der aus der badischen Landschaft und ihren Menschen heraus gestaltet hat“. Aufgrund der politischen Entwicklungen zwischen 1933 und 1945 war es aus Sicht der Literarischen Gesellschaft, damals noch ‚Deutscher Scheffel-Bund‘, nur folgerichtig, das Museum zu einem umfassenden ‚Badischen Dichtermuseum‘ auszubauen und die literarische Entwicklung Badens zu zeigen. Nach kurzzeitigem Schließen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Museum kurze Zeit später wieder eröffnet.






1965 wurde in der Röntgenstraße 6 in Karlsruhe das ‚Oberrheinische Dichtermuseum‘ neu eröffnet. Als „Schatzkammer der Poesie“ bezeichneten die Badischen Neuesten Nachrichten das Museum, das erstmals in einem eigenen Gebäude residieren konnte. Ergänzend zu den Sammlungsbeständen setzten Leihgaben aus privater Hand, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe wichtige Akzente für die Präsentation der Literatur des Oberrheingebiets von der Klosterliteratur bis in die Gegenwart. Die Ausstellung zeigte das Bestreben, das Museum zu einem Zentrum des literarischen Lebens der Stadt Karlsruhe sowie der badischen Region zu formen. Die Ausstellung war ein Spaziergang durch eine jahrtausendalte Landschaft der Dichtung, die keine politischen Grenzen kennt, und erstreckte sich vom südwestdeutschen Raum in die Schweiz und ins Elsass, vom oberbadischen Raum in die Pfalz und weiterhin auch in fremdsprachige europäische Länder.





1995 wurde eine neu erarbeitete Dauerausstellung unter dem Namen ‚Museum für Literatur am Oberrhein‘ eröffnet.
Die Dauerausstellung im Museum für Literatur am Oberrhein
1998 wurde nach erneutem Umzug der Literarischen Gesellschaft ins PrinzMaxPalais das Museum für Literatur am Oberrhein am neuen Standort im Zentrum der Stadt Karlsruhe eröffnet. Mit der Präsentation der völlig neu gestalteten Dauerausstellung im 2. Obergeschoss des PrinzMaxPalais zur ‚Geschichte der Literatur am Oberrhein von der Klosterkultur bis in die Gegenwart‘ wurden neue Formen und zeitgemäße Wege der Literaturvermittlung beschritten.

Der thematische Kernbereich des Museums ist die Kulturregion Baden und Pfalz, mit dem Elsass und Frankreich, der Schweiz und Österreich. Der Name ‚Museum für Literatur am Oberrhein‘ markiert die grenzüberschreitende Idee: die gemeinsame Kulturentwicklung – über Ländergrenzen hinweg – von der Klosterkultur bis in die digitale Gegenwart. Schrift- und Buchkultur, Literatur und Öffentlichkeit, Prozesse der Literarisierung und die Werke der bedeutenden Autor*innen des Oberrheins lassen sich im Rahmen von chronologischen Epochenschwerpunkten nachvollziehen. Die Dauerausstellung im Museum für Literatur am Oberrhein fragt nach der grenzüberschreitenden Entstehung von Schriftlichkeit und Öffentlichkeit seit den Klostergründungen. Es folgen das Zeitalter des Humanismus, die Literatur der Reformationszeit und die Zeit des Barock, Sturm und Drang, die Auswirkungen der Französischen Revolution am Oberrhein, die Literatur der Heidelberger Romantik und die Entstehung der Literarischen Moderne bis in die Gegenwart. Diese Stationen sind didaktisch so aufbereitet, dass sie insbesondere für die schulische Vermittlung gut geeignet sind. Neben Handschriften und zahlreichen Erstausgaben werden historische Fotografien und exemplarische Exponate gezeigt und multimedial erläutert. Dem großen badischen Volksaufklärer Johann Peter Hebel, Verfasser der Kalendergeschichten desRheinischen Hausfreundes und der Alemannischen Gedichte und Joseph Victor von Scheffel, Dichter des Trompeter von Säckingen und des historischen RomansEkkehard, sind jeweils eigene Kabinette gewidmet.
Die Dokumentation in der Dauerausstellung des Museums folgt den literarischen Traditionen, gegliedert nach den Epochen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt im ersten großen Ausstellungsraum, der das Mittelalter, den Humanismus, den Barock, die Aufklärung und den Sturm und Drang, die Heidelberger Romantik und das 19. Jahrhundert dokumentiert. Ein zweiter Ausstellungsraum präsentiert „Die Moderne und ihre Gegenströmungen“, Exil und Innere Emigration bis in die Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.








Audioguide & Ton-Kabinett
Begleitet wird die ständige Ausstellung durch einen Audioguide, der eine zusätzliche Fassung für Kinder und Jugendliche sowie eine Führung in französischer Sprache bietet. Diese erläutert die deutschsprachige Literaturgeschichte immer auch im Blick auf die französische Tradition.
Im Ton-Kabinett, das sich im Hebel-Raum befindet, können die Besucher*innen selbst Lesungen der letzten Jahre an Tablets auswählen und über Kopfhörer anhören. Das Ton-Kabinett umfasst eine Sammlung von Lesungen, die einleitenden Einführungen und die anschließenden Diskussionen. Das digitale Tonarchiv dokumentiert über 500 der Lesungen, die seit 1965 stattgefunden haben.


Die Faust-Lesung Goethes am Karlsruher Hof in Gegenwart Klopstocks

Gemälde von Friedrich August Pecht (1814-1903)
Öl auf Leinwand (164 x 218 cm), signiert und datiert Mitte unten: 1860
Johann Wolfgang von Goethe hat dreimal die Residenzstadt Karlsruhe besucht. Sein erster Besuch fand im Jahr 1775 statt, vier Jahre später kam er noch einmal, jedoch nur kurz, nach Karlsruhe. Sein letzer Besuch fiel in das Jahr 1815: er verbrachte einen anregenden Abend mit Johann Peter Hebel und besuchte Heinrich Jung-Stilling, was diesem allerdings missfiel. Der Auftritt jedoch, der im Gemälde von Friedrich August Pecht dargestellt ist, hat so nicht stattgefunden, obwohl Goethe die Lesung im 18. Buch seiner Dichtung und Wahrheit beschreibt. Als Johann Wolfgang von Goethe 1775 mit dem Grafen von Stollberg auf der Schweizer Reise Karlsruhe besuchte, war Friedrich Gottlieb Klopstock, der auf dem Gemälde zur rechten Seite Goethes – vom Betrachter aus gesehen – sitzend dargestellt ist, nicht mehr in Karlsruhe. Hinter dem in der ersten Zuhörer-Reihe sitzenden Klopstock sind die Brüder Friedrich und Leopold Grafen von Stollberg dargestellt. Links von Goethe, ihm den Rücken zuwendend, unterhält Luise Prinzessin von Hessen sich mit dem ihr gegenüber sitzenden Karl Friedrich Markgraf von Baden (links) und Karl August von Sachsen-Weimar (rechts). In der linken unteren Bildhälfte ist Markgräfin Karoline Luise sitzend dargestellt, hinter ihr stehend Ludwig Prinz von Baden.
Das Gemälde wurde 1860 von Friedrich Pecht im Auftrag des Großherzogs Friedrich I. von Baden gemalt.
Online-Dokumentation
Eine ausführliche digitale Dokumentation zur Geschichte der Literatur am Oberrhein – der Rundgang durch die ständige Ausstellung mit zahlreichen Exponaten und Erläuterungen – steht als Archivversion zur Verfügung:Dokumentation zur Geschichte der Literatur am Oberrhein ↗.
Diese Dokumentation stammt aus den Anfangsjahren des Museums und wurde im Originalzustand übernommen. Sie ist deshalb nicht für kleine Bildschirme gestaltet – am Rechner oder Tablet lässt sie sich am besten lesen.
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