Literarische Gesellschaft

Gegründet 1924, mit annähernd 6.000 Mitgliedern die größte literarische Vereinigung Mitteleuropas.

Die Literarische Gesellschaft ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Gegründet 1924 von Eck Freiherr von Reischach-Scheffel unter dem Namen „Deutscher Scheffel-Bund“, ist der Verein Träger des Museums für Literatur am Oberrhein. Mit heute annähernd 6.000 Mitgliedern ist sie die größte literarische Vereinigung in Mitteleuropa.

Der derzeitige Sitz befindet sich im PrinzMaxPalais, dem ersten gründerzeitlichen Monumentalbau im Zentrum Karlsruhes, 1882 erbaut von dem badischen Baumeister Josef Durm. Bis 1918 diente das Gebäude Max von Baden, dem letzten Kanzler des wilhelminischen Reichs, als Wohnsitz. Von 1951 bis 1969 war das PrinzMaxPalais Sitz des Verfassungsgerichts der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1998 ist es Sitz der Literarischen Gesellschaft.

Heute beherbergt das PrinzMaxPalais neben der Literarischen Gesellschaft und dem Museum für Literatur die Kinder- und Jugendbibliothek, das Stadtmuseum und das Café Palais Max – eine einmalige Konstellation, die eine umfassende Vermittlung kultureller Bildung möglich macht. Die Literarische Gesellschaft und das Museum für Literatur am Oberrhein werden von der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg finanziell gefördert.

Forschung, Bibliothek und Archiv

Die Literarische Gesellschaft gibt der Forschung und Bildung wichtige Impulse. Neben dem Museum für Literatur am Oberrhein unterhält sie die Oberrheinische Bibliothek mit einem bedeutenden Bestand an Primär- und Sekundärliteratur zur Literaturgeschichte des Oberrheins sowie das Oberrheinische Literaturarchiv mit wertvollen Erstausgaben, Handschriften, Briefen und Dokumenten von über 100 Schriftsteller*innen. Zentral sind die Nachlässe von Joseph Victor von Scheffel, Max Barth und Ernst Feuerstein sowie ein Teil der Verlagskorrespondenz des Stahlberg-Verlages, der in den 1950er Jahren unter anderem Arno Schmidt und Curzio Malaparte in Karlsruhe verlegt hat. 2006 erwarb die Literarische Gesellschaft die Johann Peter Hebel-Sammlung von Karl Fritz (Schöpfheim) mit über 700 Exponaten.

Auszeichnungen und Bildungsangebot

Seit 1928 vergibt die Literarische Gesellschaft den nach Joseph Victor von Scheffel benannten Scheffel-Preis für die beste Abiturleistung im Fach Deutsch. Damit soll das Interesse an künstlerischer und wissenschaftlicher Literatur geweckt werden. Führungen für Schulklassen und Workshops zu alternativen Literaturformaten sind ein weiterer Bestandteil des Bildungsangebots.

Veranstaltungsprogramm

Das Veranstaltungsprogramm umfasst wöchentliche Lesungen und Vorträge im PrinzMaxPalais, die Lesereihe Lesung Süd im Kulturraum KOHI e.V. am Werderplatz, die LitCorner, eine Lesereihe für ein junges Zielpublikum im Gottesauer Eck in der Karlsruher Oststadt sowie regelmäßig Diskussionen mit den Kritikern der SWR-Bestenliste.

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Geschichte der Literarischen Gesellschaft und des Museums für Literatur am Oberrhein

1924

Namensgeber des Vereins ist der Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel (1826–1886). 1924 wurde auf Initiative von Eck Freiherr von Reischach-Scheffel, dem Ehemann der Enkelin Scheffels, der „Deutsche Scheffelbund“ als Verein in Heidelberg gegründet – mit dem Ziel, den Nachlass des Dichters aufzuarbeiten und ein Scheffel-Museum aufzubauen. Ort der Gründung war das Hotel zum Ritter in der Heidelberger Innenstadt.

Hotel zum Ritter in der Heidelberger Innenstadt: Ort der Gründung der Literarischen Gesellschaft ursprünglich unter dem Namen ‚Deutscher Scheffelbund‘.
Hotel zum Ritter in der Heidelberger Innenstadt: Ort der Gründung der Literarischen Gesellschaft ursprünglich unter dem Namen ‚Deutscher Scheffelbund‘. © Stadtarchiv Heidelberg, BILDA 14231

1926

1926 wurde das Scheffel-Museum im damaligen Bibliotheksbau des Karlsruher Schlosses eröffnet. Zu Beginn der 1930er Jahre hatte der Scheffelbund bereits über 1.500 Mitglieder. Ab 1932 residierten der Verein und das Museum im Karlsruher Haus Solms in der Bismarckstraße 24. Ab 1933 fanden dort die ersten Lesungen statt, bei denen „Sprechkünstler“ bedeutende literarische Werke vortrugen. 1936 wurde das Scheffel-Museum zum „Badischen Dichtermuseum“ erweitert; drei Jahre später erfolgte die Eröffnung der Museumsabteilung „Lebende Dichter um den Oberrhein“.

1939–1945

Der Scheffelbund wurde 1939 zwangsweise an das „Reichswerk Buch und Volk“ angegliedert. Kriegsbedingt mussten 1944 die Aktivitäten eingestellt werden. Ende 1945 nahm der Scheffelbund als „Volksbund für Dichtung, vormals Scheffelbund“ seine Aktivitäten wieder auf. Schriftsteller des Exils und der Inneren Emigration bekamen ein Forum.

1965

1965 bezogen der Verein und das Museum in der Röntgenstraße 6 erstmals ein eigenes Haus. Das Museum wurde am 20. März 1965 neu eröffnet und in „Oberrheinisches Dichtermuseum“ umbenannt.

1972

Ab 1972 nannte der „Volksbund für Dichtung“ sich „Literarische Gesellschaft (Scheffelbund)“.

1998

1998 bezogen die Literarische Gesellschaft und das Museum Räumlichkeiten im Karlsruher PrinzMaxPalais, zuvor erster Sitz des Bundesverfassungsgerichts. Das „Museum für Literatur am Oberrhein“ zeigt unter Einbezug neuer Medien eine Dokumentation des literarischen Lebens der grenzüberschreitenden Oberrheinregion.

2000

2000 fand unter Federführung der Literarischen Gesellschaft das erste „Karlsruher Literaturforum“ statt.

2002

2002 übernahm die Literarische Gesellschaft die Herausgeberschaft der Literaturzeitschriftallmende, die erstmals 1981 erschienen ist. Im selben Jahr konzipierte sie im Auftrag des Landes Baden-Württemberg die digitalen Verzeichnisse „Autoren Baden-Württemberg“ und „Literaturland Baden-Württemberg“, die sie mit Unterstützung des Landes betreut.

Das Portalwww.literaturland-bw.dewurde in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, Marbach am Neckar, entwickelt und präsentiert über 90 Museen und Gedenkstätten. Die Seitewww.autoren-bw.dewurde im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg eingerichtet. Sie umfasst 1.290 Einträge lebender Autorinnen und Autoren sowie Übersetzerinnen und Übersetzer und ermöglicht – aufgrund des von den Autorinnen und Autoren zur Verfügung gestellten Datenmaterials – aktuelle Informationen über Leben und Werk.

2006

Seit 2006 wird die Hermann-Hesse-Preis-Stiftung von der Literarischen Gesellschaft betreut.

2008

2008 wurde die Dauerausstellung des Museums für Literatur am Oberrhein anlässlich des zehnjährigen Bestehens im PrinzMaxPalais überarbeitet und mit multimedialen Elementen, einer Audioführung in deutscher und französischer Sprache sowie einer Kinder- und Jugendaudioführung ausgestattet.

2012

Anlässlich des 60-jährigen Landesjubiläums von Baden-Württemberg präsentierte die Literarische Gesellschaft 2012 die Ausstellung „Literatur in Baden-Württemberg 1970 bis 2010“ – anknüpfend an die 2002 erfolgreich gezeigte Ausstellung „Ein Bild der Zeit. Literatur in Baden-Württemberg 1952–1970“. Auf Initiative der Literarischen Gesellschaft wurden 2012 zudem die 29. Baden-Württembergischen Literaturtage in Karlsruhe ausgerichtet.

2013

Im September fanden auf Initiative der Literarischen Gesellschaft mit großem Erfolg die ersten Literaturtage Karlsruhe 2013 statt. Insgesamt besuchten mehr als 2.000 Literaturinteressierte die Veranstaltungen im Rahmen des viertägigen Literaturfestivals.

2014

Der Scheffel-Preisträger von 1968, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, nimmt an der Scheffel-Preisfeier im Konzerthaus Karlsruhe teil und hält die Festrede.

2015

Beginn der Digitalisierung der Bestände.

2016

Eröffnung der neugestalteten Scheffelräume im Hochrheinmuseum Schloss Schönau in Bad Säckingen mit der Dauerausstellung „Der Trompeter von Säckingen. Eine Liebesgeschichte. Ein Buch. Ein Bestseller.“ Zudem begann die Erfassung des umfangreichen Bildmaterials zu Autoren, literarischen Orten und Zeitdokumenten des Archivs mit der Datenbank Opus4, unterstützt durch das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg.

2017

Tod der Ehrenvorsitzenden Vera-Maria Wieland, geb. Freiin von Reischach-Scheffel, die seit ihrem fünften Lebensjahr, seit 1929, Mitglied im Scheffelbund war.

2018

Erscheinen der Ausgabe Nr. 100 der Literaturzeitschrift allmende (Titel: „Literatur als Gemeingut“). Die erste Anthologie von beschriftet. Texte junger Autoren der gleichnamigen Schriftstellergruppe erscheint.

2019

Die Literarische Gesellschaft ist ab sofort auf Instagram vertreten und verstärkt ihre Präsenz auf Facebook. Es erscheint die sechsbändige Johann-Peter-Hebel-Gesamtausgabe. Eine Jubiläumsveranstaltung mit Bas Böttcher würdigt im Rahmen der Karlsruher Literaturtage das 10-jährige Bestehen der Lesereihe Lesung Süd am Werderplatz. Außerdem feiert der Prosapreis für junge Literatur JuLi sein 10-jähriges Bestehen.

2020

Ab März: Schließung des PrinzMaxPalais aufgrund der internationalen Covid-19-Pandemie. Im April folgt eine verstärkte Präsenz im Internet durch die Eröffnung einer Mediathek mit Lesungen und Vorträgen der letzten fünf Jahrzehnte (zweimal wöchentlich werden Lesungen veröffentlicht). Es erscheint die 3. Auflage der Johann-Peter-Hebel-Ausgabe. Schriftstellerinnen und Schriftsteller präsentieren sich mit Videoclips online, digitale Lesungen finden per Streaming statt, und das digitale Lese- und Bildungsangebot wird mit literarischen Workshops und informativen Videos zur deutschen Literaturgeschichte ausgebaut. Am 17. Mai kann das Museum für Literatur anlässlich des Internationalen Museumstages wieder öffnen.

2021

Von Januar bis Mai sind analoge Veranstaltungen jeglicher Art abgesagt. Ab Februar beginnt die vierte Staffel der Karlsruher Literaturclips. Trotz Öffnung fallen pandemiebedingt stellenweise das ganze Jahr über Veranstaltungen aus oder werden verschoben.

2022

Beginn der Digitalisierung und Transkription der Briefe Joseph Victor von Scheffels für eine geplante mehrbändige Ausgabe der gesammelten Briefe. Weiterhin werden vereinzelt pandemiebedingt Veranstaltungen verschoben oder abgesagt. Im Rahmen der 10. Karlsruher Literaturtage findet die erste hybride Veranstaltung statt: Veranstaltungen in der Hemingway Lounge und im PrinzMaxPalais werden live bei YouTube gestreamt und können so analog und digital besucht werden.

2023

Technische Umstellung: Der Druckprozess für die Urkunden, die Anschreiben und Mitgliedsausweise läuft fortan automatisiert ab. Nach pandemiebedingten Schließungen können die Veranstaltungen wieder wie gewohnt stattfinden und werden vom Publikum gut aufgenommen und besucht.

2024

100-jähriges Jubiläum der Literarischen Gesellschaft (Scheffelbund).

2025

Der langjährige Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende (1993–2025) der Literarischen Gesellschaft, Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, verstirbt plötzlich und unerwartet am 3. September 2025. Sein Lebenswerk wurde bei einer Gedenkveranstaltung am 5. Dezember 2025 gewürdigt: „Dir zur Feier“. Ein Abend im Gedenken an Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann. Auftakt der neuen Lesereihe LitCorner für ein junges Zielpublikum. Eine Kooperation der Literarischen Gesellschaft mit dem Gottesauer Eck und der Stephanus-Buchhandlung in Karlsruhe.

2026

Anlässlich des 200. Geburtstags des Dichters Joseph Victor von Scheffel am 16. Februar 2026 wird ein „Scheffel-Tag“ veranstaltet.

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