Kinder- & Jugendprojekte

Literaturvermittlung für junge Menschen – Projekte, Workshops und Wettbewerbe.

Literarische Projekte für Kinder und Jugendliche sowie Workshops zum kreativen Schreiben vermitteln Schreib- und Sprachkompetenz. Im Mittelpunkt steht stets die Freude am Umgang mit Sprache. Über aktuelle Projekte halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Unsere Formate im Überblick

Schreibwerkstätten für Jugendliche

In der Reihe „Schreibwerkstätten für Jugendliche“ erproben junge Menschen das kreative Schreiben und den Umgang mit Sprache in unterschiedlichen Formaten. Ein Beispiel ist der Workshop „BookTok – Anleitung für zukünftige Bookfluencer*innen“ mit der Autorin und BookTok-Influencerin Josi Wismar: Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren lernen Techniken der Plattform kennen und erstellen eigene Kurzvideos zu ihren Leseeindrücken.

Workshopplakat BookTok – Anleitung für zukünftige Bookfluencer*innen mit Josi Wismar
Workshopplakat mit Josi Wismar. © Sarah Grund

Lust am Schreiben! – Schreibwettbewerb

Der Schreibwettbewerb „Lust am Schreiben!“ der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe und der Literarischen Gesellschaft, der sich an Schüler*innen Karlsruher Gymnasien richtet, hat sich im Bereich der Schreibförderung in Karlsruhe erfolgreich etabliert. Ziel ist insbesondere die Förderung der Sprachkompetenz.

Schüler*innen von 22 Gymnasien in Karlsruhe und der Umgebung beteiligten sich. Insgesamt 278 Texte wurden eingereicht. Für die Jury war es wieder eine Bestätigung, wie wichtig das Schreiben der Schüler*innen für die Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit ist. Literarische Texte sind immer auch ein Seismograph der Befindlichkeiten, auch für jüngere Schreibende. Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann war bis zuletzt Vorsitzender der Fachjury und hatte zusammen mit den Autor*innen Karin Bruder und Markus Orths die Siegertexte ausgewählt.

Das diesjährige Motto des zum 8. Mal ausgeschriebenen Wettbewerbs lautete „Nacht“. Einige Texte sind düster, andere haben hoffnungsvolle Wendungen:

„Ich habe gerade das Mutigste in meinem Leben gemacht. Ich habe mich dir widersetzt. Hier und jetzt tue ich den ersten Schritt und sage: Ich habe keine Angst vor dir. Und dadurch werde ich mutig. Denn Mut ist nicht, keine Ängste zu haben, sondern seine Angst zu besiegen und dadurch zu wachsen.“

Die Preise wurden in drei Altersstufen vergeben: Klasse 6-7, Klasse 8-9 und Klasse 10–11. Wichtig ist es diejenigen kontinuierlich zu fördern, die „Lust am Schreiben“ haben, literarische Texte sind wie Spiegel ihrer Zeit, gerade auch die der Jüngeren, sie vermitteln den Lesenden, was erhofft und was gefürchtet wird. Die hier vorliegenden Texte dokumentieren das nachdrücklich und sind eine wichtige Momentaufnahme unserer Gegenwart.

Am 13. November 2025 fand die Preisverleihung im Literaturhaus Karlsruhe statt, bei der die Preisträger*innen in einer Lesung ihre Texte präsentieren konnten. Außerdem erhalten sie die Möglichkeit, an einer Schreibwerkstatt unter Leitung von Karin Bruder teilzunehmen. Alle ausgezeichneten Texte wurden im Band Lust am Schreiben! publiziert, der den Preisträger*innen an diesem Abend ebenfalls überreicht wurde.

Die Themen der Schreibwettbewerbe waren 2018 „Freundschaft/Zukunft“, 2019 „Mut/Armut“, 2020 „Lebens(t)räume“, 2021 „Miteinander“, 2022 „Ohne Masken“, 2023 „Einzelgänger“ sowie 2024 „Mensch und Maschine“. „Nacht“ lautete das Thema des achten Schreibwettbewerbs.

Ein großer Dank gilt dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Karlsruhe, Herrn Dr. Alexander Endlich, und den Initiatoren der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe, insbesondere Herrn Axel Grether (Geschäftsführer der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe) und Frau Cécil Mack.

Ausblick 2027

Alle, die Lust haben, selbst zu schreiben und am nächsten Wettbewerb teilzunehmen, sind herzlich dazu eingeladen. Das Thema des 10. Schreibwettbewerbs 2027 wird sein: „Sein & Schein“. Die Teilnahme erfolgt über die Schulen. Nähere Infos gibt es hier:www.sparkassenstiftungen-ka.de/jugendstiftung.

Besondere Projekte

Karlsruher Coolturführer – „What’s up in Karlsruhe?“

Eigentlich könnte es auch heißen: „Karlsruher Coolturführer von Kindern und Jugendlichen“. Es waren nämlich Kinder – genauer gesagt die Kinder der letztjährigen Klasse 7c des Max-Planck-Gymnasiums aus Rüppurr –, die für dieses „Produkt“ die Schwerpunkte gesetzt, die Verantwortlichen interviewt, die Recherchen betrieben und das umfangreiche Infomaterial gesichtet haben.

Die Idee der Literarischen Gesellschaft und des Deutschen Kinderschutzbundes Karlsruhe entwickelte sich aus einem Projekt, das bei KiX und JuX 2013 – dem Kulturfestival der Kinder und Jugendlichen – angeboten wurde: „What’s up in Karlsruhe“, bei dem die Kinder ihre Kulturhighlights vorstellen sollten.

Die Literarische Gesellschaft mit Monica Trinca und der Deutsche Kinderschutzbund mit Renate Gissel fanden in Cornelia Bekendorf, der Lehrerin der damaligen Klasse 7c, eine begeisterte Partnerin, und so haben sie gemeinsam mit 28 Kindern die lebendige und engagierte Kulturszene Karlsruhe auf spannende (und lehrreiche) Angebote für junge Kulturinteressierte und solche, die es werden wollen, durchforstet.

Das Ergebnis in der Form des „Karlsruher Coolturführers für Kinder und Jugendliche“ ist ab sofort u. a. bei vielen Karlsruher Kultureinrichtungen und an der Rathauspforte erhältlich. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann die Broschüre nicht bieten. Aber der „Coolturführer“ kann durchaus für die nächsten Jahre als Wegweiser durch die Vielfalt der kulturellen Angebote in Karlsruhe und kompetenter Ratgeber für die Freizeitgestaltung von Kindern, Jugendlichen und auch der ganzen Familie dienen.

Karlsruher Coolturführer für Kinder und Jugendliche herunterladen (PDF)

Herausgeberinnen: Adina-Monica Trinca und Renate Gissel; Redaktion: Adina-Monica Trinca, Cornelia Bekendorf und Renate Gissel; Gestaltung: Adina-Monica Trinca. © 2014 Literarische Gesellschaft Karlsruhe e. V. und Deutscher Kinderschutzbund.

Weihnachtswettbewerb

Beim Weihnachtswettbewerb sind junge Schreibende eingeladen, eigene Gedichte und Kurzgeschichten einzureichen. Ausgezeichnet wurden unter anderem die Kurzgeschichte „Das Geschenk“ von Ana Rosa López sowie Beiträge von Elisa Ledermann, Samuel Schwörer, Khoa Vu, Markus Axtmann, Tim Deutschländer, Linus und Hendrik, Marie Egner, Lina Baigeldin und Dalila Omerhodzic. Mehrere der Gedichte entstanden an der Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe, ein weiterer Beitrag an der Tulla-Realschule Karlsruhe.

Projektarchiv

Ein Rückblick auf Schreibwerkstätten und Projekte der vergangenen Jahre – meist in Kooperation mit Autor*innen sowie regionalen Festivals:

Abgesagt: RAP & BEATS WORKSHOP – WHO AM I? (2024)

Samstag, 19. Oktober 2024, 11–18 Uhr · Literaturhaus im PrinzMaxPalais

Die Hip-Hop-Kultur steht für Respekt, Demokratie, Zusammenhalt und Toleranz. In dem Workshop setzt du dich zusammen mit anderen Teilnehmer*innen mit der Geschichte von Hip-Hop und gesellschaftlichen Konflikten auseinander und erarbeitest dazu gemeinsam mit Boshi San & Provo Beatz eigene Lyrics und den passenden Sound dazu. Unter Anleitung der beiden erfahrenen Hip-Hop-Künstler machst du erste Schritte im Songwriting und Recording. Wie schreibe ich Raps, finde den Takt und die passenden Reime, wie rappe ich ins Mikrofon, wie kreiere ich Refrains und Hooks? All das und viel mehr erkundest du mit ihnen.

Boshi San ist Rapper, Sänger, Songwriter und Veranstalter und seit vielen Jahren eine feste Größe in der deutschen Hip-Hop-Community. Im vergangenen Jahr gründete er zusammen mit Provo Beatz und anderen Hip-Hop-Künstler*innen den Verein „5elements e. V.“, der Rap-, Musik-, Breakdance- und Graffiti-Workshops an Schulen in Kombination mit politischer Bildung gibt. Er unterstützt diverse antirassistische Projekte. Seit 2023 ist er Teil der Initiative „Hip-Hop for Woman Life Freedom“.

PROVO ist Beat-Producer, Komponist und Musikproduzent. In seinem Studio produziert er Beats und Musik für Künstler*innen, Film, Werbung und Comedy. Seit 15 Jahren leitet er als Referent Musik-Workshops in diversen Projekten und Bildungseinrichtungen. Das von ihm mitgegründete Projekt „KUNSTLINGE!“ in der Pinakothek der Moderne in München feiert 2024 10-jähriges Jubiläum. Er leitet zudem die Musikproduktion und die Abteilung Tonstudios am IMAL Musiktheater.

Eine Veranstaltung im Rahmen des „Literatursommers Baden-Württemberg 2024“ zum Thema Kinder- und Jugendliteratur – Sprache der Freiheit und Demokratie.

„Fassadenlyrik – Wenn Poetry-Slam auf Graffiti trifft“ (2022)

6. bis 8. Mai 2022, 14–17.30 Uhr · 12–16 Jahre

Wusstet ihr, dass die ersten „Graffitis“ bereits im Alten Ägypten in Tempeln, Gräbern und auf Felswänden entstanden? Heute ist es eine coole Street-Art Kunst. Wenn ihr erfahren wollt, wie ihr euer eigenes Stencil erstellen könnt, dann seid ihr bei uns genau richtig. Bei uns steht der Spaß ganz klar im Vordergrund. Spielerisch und mit vielen kreativen Ideen und Anregungen, gestalten wir zusammen Wände, Leinwände und alles, was sich gut gestalten lässt. Und das Beste: wir bringen zwei Kunstformen zusammen, die es so noch nicht gab – kurzum: Fassadenlyrik. Mit Philipp habt ihr einen erfahrenen Poetry-Slammer an eurer Seite, der mit euch Live-Literatur ausprobieren und weiterentwickeln wird. Wir erschaffen eigene Gedichte, Kurzgeschichten, Monologe und Raps und bringen diese auf die Leinwand – bis es knistert und knallt, mal leise, mal laut, erzählt oder gereimt oder politisch, albern, nachdenklich oder von Herzen. In jedem von uns steckt ein Künstler, probiert es aus und meldet euch an!

Workshop geleitet von: Philipp, Stephan und Jonas.

Verschoben: „Die Poppets verspielen Worte – und ihr steigt dahinter!“ (2022)

13. bis 14. Mai 2022, 14–18 Uhr · 8–12 Jahre

Das Trash-Puppentheater „Die Poppets“ lädt ein zur offenen Bühne. Ein Blick hinter die Kulissen, Figurentheater von vorne und hinten, zum Mitlachen und selber Spielen. Denn Literatur heißt immer auch Figuren erfinden, Charaktere gestalten. Warum können märchenhafte Tiere wie selbstverständlich sprechen? Wie können sich wuselige Wesen wandeln und verzaubern? Wodurch erlangen Geschöpfe fabelhafte Fähigkeiten? Weil im Figurenspiel das alles möglich ist oder wir lassen die Kuh fliegen, natürlich echt.

Denn vieles was wir uns ausdenken können, lässt sich im Puppenspiel für den Zuschauer verwirklichen. Workshop: Wir bauen und gestalten einfache Klappmaulfiguren, probieren Rollen, experimentieren mit Sprache und Stimme, finden Themen und spielen drauflos. Denn Puppenspiel ist lebendige Literatur: es erzählt immer von dem, was sein könnte.

Workshop geleitet von: „Die Poppets“, Markus Stiefel Dürr & Gunzi Heil.

Verschoben: „Du hast eine Meinung oder Geschichte, die gehört werden sollte?“ (2022)

9. bis 10. Juni 2022, 12–16 Uhr · 12–16 Jahre

Dann bist du in diesem Workshop genau richtig! Hier dreht sich alles um deine Gedanken, deine Geschichten und deine Kreativität. Poetry-Slam ist ein Dichter- und Dichterinnen-Wettstreit, aber du musst nicht der nächste Goethe oder die nächste Gomringer sein, um mitmachen zu können! Hier sind alle willkommen, die Freude oder Interesse daran haben zu schreiben – ganz egal, ob Prosa, Lyrik oder eine Mischung aus beidem. Slam Texte können ernst, lustig oder politisch sein – wichtig ist dabei nur, dass sie von euch geschrieben sind und das Zeitlimit von maximal sechs Minuten nicht überschreiten.

Du denkst jetzt direkt an deinen Deutschunterricht? Nicht ganz: Dieser Workshop bietet dir zwar viele Schreibimpulse und Ideen, aber du hast kein vorgegebenes Thema. Da wir hier keine Romane schreiben, kannst du dich ausprobieren, mit anderen Schreibenden sprechen und hören, was sie bewegt. Außerdem liest du deine selbstgeschriebenen Texte nicht einfach vor, sondern wirst sie richtig performen können. Wenn du dich noch nicht ganz traust, auf eine Bühne zu gehen, ist das kein Problem, denn: Es gibt da ein paar Geheimtipps, wie du das Lampenfieber überwinden kannst … Neugierig geworden? Dann schau doch gerne vorbei!

Workshop geleitet von: Natalie Friedrich.

„Auf den Spuren von Karla Kolumna. Interview-Workshop für rasende Reporter*innen von morgen“ (2022)

14. bis 15. Juli 2022, 14.30–17 Uhr · 12–16 Jahre

Fragen, hören, führen: Du möchtest die nächste Karla Kolumna werden oder zumindest wissen, welche Faustregeln für ein erfolgreiches Interview gelten? Oder doch beides erfahren? Dann bist du hier genau richtig. Zusammen im Team erarbeitet ihr Interviewfragen, hört euch gegenseitig zu (eine der Grundregeln für ein erfolgreiches Interview!) und entlockt dabei das ein oder andere Spannende eurem Interviewpartner. Blickt hinter die Kulissen und seid neugierig!

Workshop geleitet von: Tobias Markowitsch.

„Die Schreibwerkstatt für junge kreative Köpfe“ mit Markus Orths (2022)

25. bis 26. Juli 2022, 15–18 Uhr · 12–16 Jahre

Ihr habt Lust zu schreiben? Über eigene Erlebnisse, Erfundenes, Fantastisches, Verrücktes, Schönes und Spannendes? Bei der Schreibwerkstatt mit dem international erfolgreichen Autor Markus Orths werden in kleineren Übungen Texte entstehen, über die alle gemeinsam sprechen können. Wir werden viel ausprobieren, und ihr werdet eine Menge Anregungen und Hintergründe zum Schreiben kennenlernen. Die Schreibwerkstatt der Literarischen Gesellschaft fördert junge kreative Köpfe, die sich literarisch ausprobieren möchten.

Workshop geleitet von: Markus Orths.

„Schreiben ohne Barrieren“ mit Markus Orths (2021)

7. Oktober 2021, 16–18 Uhr; weitere Termine: 14.10., 21.10., 11.11., 18.11. und 2.12.

Ob Schreibtisch oder Couch – interessierte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 14 bis 22 Jahren loggten sich an den Workshoptagen bequem in den virtuellen Raum ein und schon waren sie live und interaktiv in unserer digitalen, von Markus Orths angeleiteten Schreibwerkstatt. Mit Blick auf Inklusion und die aktuellen Corona-Beschränkungen sollte 2021 ein barrierefreier Online-Workshop jungen Menschen einen einfachen, flexiblen Zugang zu Hinweisen, Impulsen, Textdiskussionen und gemeinsamen Schreibübungen ermöglichen. „Schreiben ohne Barrieren – die digitale Schreibwerkstatt der Literarischen Gesellschaft für junge kreative Köpfe mit Markus Orths“ fand, neben einem realen Treffen im Literaturhaus im PrinzMaxPalais, an fünf Online-Terminen im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2021, jeweils von 16 bis 18 Uhr, statt. Bei den Übungen entstanden gemeinsame Texte (Cut Ups, dadaistische Gedichte) und eigene literarische Beiträge.

„Dass dieser Workshop angeboten wurde, fand ich hervorragend und ich möchte mich nochmal bei Ihnen für die Organisation und Ihre Hilfsbereitschaft bedanken“ (Teilnehmerin des Schreibworkshops).

Schreiben ist

  • Rosa: Momentaufnahmen zusammensetzen.
  • Hiba: Kreativität, Kompensation, Kunst, Kinder zum Lächeln bringen.
  • Jana: Gedanken ausdrücken und weitere Ideen bekommen.
  • Max: das Festhalten von Gedanken.
  • Dorina: eine Reise durch das eigene Ich, durch die man sich selbst besser und neu kennen lernt.

Ein dadaistisches Gedicht

Von Rosa, Hiba, Maximilian, Dorina, Jana, Markus

Tausenderbeträge
Paranoia Wald-Nachtvorstellung
Sekunden nach: überzeugt
schien fehle Knie
mit-schneidet Stifte
Auslagenscheibe: Abfuhr
schließlich verzog Blickkontakt
herausfinden, dann aß ausdruckslos: Geschichte
Tasche tyrannisch Badewannenrand!
Reifen-Existenz? – rot
Name? – Brust
Welt? – naht
Vertrauen? – kann

Es wurden wahllos und komplett zufällig (Finger auf die Seite irgendeines Buches und auf ein Wort getippt) je 5 Wörter aus einem Buch genommen und aufgeschrieben und gefaltet und dann in zufälliger Reihenfolge gezogen und aufgeschrieben.

Augenhöhlen

Er grub Höhlen in ihre Augen, während sie schlief, jede Nacht ein Stückchen tiefer. Als er mit den Augen fertig war, als er sie ganz und gar ausgehöhlt hatte, als sie nur noch schwarze Löcher waren, da grub er sich durch Haut und Haare; durch Arterien und Adern; durch Augenschatten und Schulterblätter. Er schlug sämtliche Bodenschätze aus ihr heraus, er spaltete ihre Rippen, ihr Schlüsselbein blätterte ab, als wäre es rostig geworden. Er bog ihre Wirbelsäule, bis sie brach.

Tag für Tag wurde sie löchriger und durchlässiger, sie fror auch schneller, schließlich war sie nur noch ein blasser Strich. Wenn sie das, was von ihrem Körper übriggeblieben war, zum Einkaufen oder in den Park schleppte, dann hätte sie schwören können, dass die Anderen ihre Löcher bemerkten, dass sie auf ihre leeren Augenhöhlen und die Gräben zwischen ihren Schultern zeigten, dass sie in ihnen stocherten. Das tat weh, als würde jemand im wahrsten Sinne des Wortes den Finger in eine Wunde legen, sowieso wogen die Gräben in ihr schwer und bereiteten ihr Schmerzen, obwohl er ihr immer wieder versichert hatte, dass die Löcher in ihr luftleerer Raum seien, der niemandem gehöre.

Selten sah sie andere Frauen, die die gleichen Löcher auf ihren Körpern trugen, auf den ersten Blick wirkten sie manchmal wie blaue Flecken. Manche verdeckten sie mit Halstüchern; andere trugen sie mit einem Stolz, den sie für unangemessen hielt. Bei diesen Frauen war sie sich manchmal sogar fast sicher, dass sie sich ihre Löcher selbst in die Haut geschlagen oder geritzt hatten, um besser in ein Kleid zu passen oder den Blick eines fremden Mannes.

Tagsüber demonstrierte sie ihr Rückgrat, das er bisher noch nicht hatte brechen können, ihre Fähigkeit, trotz der löchrigen Haut, trotz der fehlenden Organe aufrecht zu stehen. Sie hielt ihre Teile gut beisammen, in der Regel, nur einmal, an einem Tag, an dem sie ganz besonders müde gewesen war, hatte sie ihren Ringfinger auf dem Heimweg aus Versehen fallen gelassen, aber er hatte sowieso nur noch an einer dünnen Sehne gehangen und sicher würde sich eine Taube oder ein Kind über das Fundstück freuen. Sie fand raffiniert gebundene Kleider, aufwändig geknotete Schals und Tücher, mit denen sie fast all ihre Gräben verdecken konnte, die aufgerissenen Stellen im Gesicht überschminkte sie gekonnt.

Nachts konnte sie kaum mehr schlafen, die Angst davor, welches ihrer Körperteile morgen fehlen würde, hielt sie wach. Die Augenringe fraßen sich immer tiefer in ihre blasse Haut, sodass es ihm immer leichter fiel, in ihrem Gesicht zu wühlen, sobald sie eingeschlafen war. Er nahm ihre Pupille und ihre Schläfen, nach und nach, Stück für Stück, und die Menschen auf der Straße wunderten sich nur darüber, warum ihr Gesicht so maskenartig geworden war in letzter Zeit und warum sie seit Neustem so gebückt ging. Bedauernswert, sagten sie hinter ihrem Rücken, sie war doch so eine hübsche junge Frau; so jung und schon so kaputt, flüsterten sie und schüttelten bloß die Köpfe.

Am letzten Morgen verschwamm das Schlafzimmer vor ihren Augen. Sobald sie die Hälfte ihres Fußes auf den Teppichboden gesetzt hatte, spürte sie ein Gewicht zwischen Rippen und Zwerchfell, das viel zu schwer war für ihre schwach gewordenen Beine, aus denen die Kniescheibe herausgeschlagen worden war und in denen auch sonst alles nur noch von losen Bändern zusammengehalten wurde. Es fühlte sich an, als sei zwischen ihren Organen ein Stück Metall eingeschmolzen worden. Sie legte ihren gezeichneten Körper behutsam auf den gemusterten Teppich, sie bleib den ganzen Tag dort liegen und zählte die Schimmelflecken an der Decke. Es waren mehr als die Summe aller Teile, die von ihr übrig geblieben waren. Als er sie gegen neun Uhr abends auf dem Boden liegend fand, berichtete er ihr stolz, dass er letzte Nacht ein Stück Gold in ihrem Beckenboden vergraben habe, um ihr zu beweisen, wie wichtig sie ihm sei, sie solle ihm doch dankbar sein, es sei immerhin das Wertvollste, was er je besessen hatte, und alles, was sie entgegnen konnte, war: Aber es drückt auf meine Lunge; meine Bodenschätze haben besser in mich gepasst.

Außerdem entstanden Celinas „Ohne Titel“, Janas „Flackernde Lichter“, Dorinas „Die Klavierspielerin“, Max’ „Zwischenwelten“ und Hibas „Tropfen“.

„Joseph Victor von Scheffel und wir!“ (2013)

Fächerübergreifendes Projekt mit beiden dritten Klassen der Viktor-von-Scheffel-Grundschule Karlsruhe und 52 Schüler*innen · Januar bis Juni 2013

Schüler*innen zeigen einer älteren Frau ihre Arbeit zum Scheffel-Projekt
Projekt „Joseph Victor von Scheffel und wir!“.

Die Viktor-von-Scheffel Grundschule feiert 2013 ihr hundertjähriges Jubiläum. In Zusammenarbeit mit der Literarischen Gesellschaft e. V. (Scheffelbund) Karlsruhe haben beide dritten Klassen der Scheffel-Grundschule in dem fächerübergreifenden Projekt „Viktor von Scheffel und wir?! – Ein Name macht Schule“ den Namensgeber der Schule kennengelernt. Der in Karlsruhe geborene Joseph Victor von Scheffel (1826-1886) gehörte zu den bekanntesten und meistgelesenen deutschen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts und war Ehrenbürger von Karlsruhe.

Das Projekt erstreckte sich über einen Zeitraum von sechs Monaten, von Januar bis Juni 2013. Projektabschluss bildete eine von den Schüler*innen zusammengestellte Ausstellung zur Biografie Joseph Victor von Scheffels sowie seinem literarischen und künstlerischen Schaffen, das von den Kindern in Wort, Bild, Film und Objekt lebendig und fantasievoll dargestellt wurde.

Beim Wettbewerb „Kinder zum Olymp!“, der Bildungsinitiative der Kulturstiftung der Länder unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck, erreichte das Projekt die Endrunde und den zweiten Platz in der Kategorie Literatur/Grundschule.

Workshop zum Abiturthema „Essay“ mit Matthias Göritz (2013)

Kursstufe 1 des Humboldt-Gymnasiums Karlsruhe · 18 Schüler*innen · 5. bis 26. Juni 2013

Schüler*innen und Matthias Göritz bei der Abschlusspräsentation des Essay-Workshops
Abschlusspräsentation des Essay-Workshops 2013.

18 Schülerinnen und Schüler haben sich an zwei Workshop-Tagen im Museum für Literatur am Oberrhein zwischen dem 05. und dem 26. Juni 2013 in einem Themen- und Schreibworkshop unter Anleitung des Schriftstellers, Übersetzers und Essayisten Matthias Göritz intensiv mit der literarischen Form des Essays auseinandergesetzt. Als Aufsatzform im Abitur 2014 bereits eingeführt, fordert diese literarische Form individuelles Schreiben – mehr als jede andere Textform. Der Workshop eröffnete Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich gemeinsam mit dem Autor dem Essay theoretisch zu nähern, um dann in einen eigenen Schreibprozess zu treten. Materialdossiers zu fünf Themenfeldern dienten als Anregung und Impulsgeber bei der Ausarbeitung des ersten eignen Essays.

In einer öffentlichen Abschlusspräsentation im Rahmen des Wissenschaftsfestivals EFFEKTE am 26. Juni 2013 im Literaturhaus im PrinzMaxPalais wurden die Schüleressays zu aktuellen wissenschaftlich-ethischen Themen vorgestellt und mit dem Autor in vier interaktiven Diskussionsrunden besprochen.

Weitere vergangene Projekte & Workshops

  • „Unsere Geschichte(n) auf die Bühne!“ (Mai 2022) – eine Theater- und Erfindungswerkstatt für Kinder von 10 bis 13 Jahren.
  • Spoken Word Spektakel: Poetry-Slam-Workshop mit Dalibor Marković(2015) – im Rahmen von JuX, dem Festival für Kinder und Jugendliche, mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe und des Stadtjugendausschusses.
  • „Gerechtigkeit“ – Schreibwerkstatt mit Marie T. Martin (2014) – für Kinder und Jugendliche von 10 bis 13 Jahren im Rahmen des Kinder- und Jugendliteratursommers der Baden-Württemberg Stiftung.
  • „Abenteuer Spielplatz Literatur“ mit Maurice Moel (2012) – Schreibwerkstatt im Rahmen der Kinderliteraturtage KLiK (10–13 Jahre).
  • „Heimat – hier und anderswo“ mit Karin Bruder (2012) – Schreibwerkstatt im Rahmen des Literatursommers für Jugendliche von 15 bis 19 Jahren.
  • „Sind denn alle Ladies Gaga“ mit Jagoda Marinić (2011) – Workshop im Rahmen des Festivals Frauenperspektiven (14–19 Jahre).
  • „Eine Jugend in Deutschland“ mit Jagoda Marinić (2010) – Workshop für Jugendliche von 14 bis 20 Jahren.

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