Hermann-Hesse-Literaturpreis

Ein Literaturpreis mit Tradition seit 1957.

Zuletzt fand am 12.11.2024 die Verleihung des Hermann-Hesse-Literaturpreises 2024 an Eckhart Nickel und Amir Gudarzi (Förderpreis) im Bürgersaal des Rathauses, Marktplatz Karlsruhe statt. Termin Verleihung des Hermann-Hesse-Literaturpreises 2026: Mittwoch, 4.11.2026.

Alle Informationen finden Sie auf der Webseite derStiftung Hermann-Hesse-Literaturpreis Karlsruhe.

Die Stiftung des Preises 1956/57

Die „Förderungsgemeinschaft der deutschen Kunst e.V. Karlsruhe“ hatte 1956 angeregt, zum 80. Geburtstag Hermann Hesses (1877–1962) am 2. Juli 1957 einen nach dem in Calw geborenen Schriftsteller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels von 1955 benannten Literaturpreis zu stiften. Daher bemühten sich Vertreter der „Förderungsgemeinschaft“ um die Zustimmung des Frankfurter Hesse-Verlegers Peter Suhrkamp, in dessen Haus gerade die erste siebenbändige Gesamtausgabe der Werke des Dichters erschienen war. Suhrkamp knüpfte seine Bereitschaft an das Einverständnis Hermann Hesses, das der Nobelpreisträger des Jahres 1946 auch umgehend gab:

Mit dem Karlsruher Hessepreis bin ich einverstanden. Da die junge Dichtung damit etwas gewinnt, mag sie durch meinen Namen immerhin an Vergangenheit und Tradition erinnert werden.

Als der Hermann-Hesse-Literaturpreis 1957 erstmals ausgeschrieben wurde, war er mit 10.000 DM einer der höchst dotierten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Zu den Stiftern des Preises zählten unter anderem Industrieunternehmen wie BASF Ludwigshafen und Brown Boveri & Co., verschiedene Banken wie die Badische Bank, die Commerz- und Credit Bank, die Deutsche und die Dresdner Bank, die beiden Energieversorgungsunternehmen des Landes, die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Buchhändler und Berthold Markgraf von Baden.

Zur Jury gehörten anfänglich der in Stuttgart lehrende Literaturwissenschaftler Fritz Martini (1909–1991), der Theaterkritiker Georg Hensel (1923–1996) und der in Berlin Literaturwissenschaft lehrende Schriftsteller Walter Höllerer. Auf die ursprünglich beabsichtigte Beteiligung eines Vertreters des Suhrkamp-Verlages wurde verzichtet, um nicht den Anschein einer möglichen Interessenskollision zu erwecken. Dennoch war der erste Preisträger ein Suhrkamp-Autor: Der junge Schriftsteller Martin Walser reichte seinen ersten RomanEhen in Philippsburg satzungsgemäß in Manuskriptform ein; er wurde noch im selben Jahr im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht.

Der Text ist dem Band „Ein Bild der Zeit. Literatur in Baden-Württemberg. 1952–1970“, herausgegeben von Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Peter Kohl im Auftrag der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, Info Verlag, Karlsruhe 2002, entnommen.

Wandel der Statuten und große Preisträger

Ab 1960 wurde der Preis – statt jährlich – nur noch alle fünf Jahre ausgeschrieben, um ihn aus der Vielzahl der Auszeichnungen herauszuheben. Ausgezeichnet wurden in den folgenden Jahren bedeutende Stimmen der deutschsprachigen Literatur:

Ernst Augustin (geb. 1924) erhielt den Preis für seinen in surrealer Tradition stehenden Debütroman Der Kopf (1962). Zur Verleihung am 1. Juli 1962 sandte Hermann Hesse ein persönliches Grußwort, in dem er die Förderung junger Autoren betonte.

Hubert Fichte (1935–1986) wurde 1965 für seinen Debütroman Das Waisenhaus ausgezeichnet – seine erste große literarische Anerkennung und der Auftakt zu einem Romanzyklus, dessen Hintergrund die eigene Biographie des Autors bildet. Der Festakt fand erstmals im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses statt, anlässlich des 250. Geburtstags der Stadt.

Hans Saner (geb. 1934), Schweizer Philosoph und persönlicher Assistent von Karl Jaspers, erhielt den Preis 1968 für sein Werk Kants Weg vom Krieg zum Frieden – ab 1967 konnten erstmals auch geisteswissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet werden.

Seit 1967 beteiligte sich die Stadt Karlsruhe komplementär an den Kosten des Preises. Aus der privat initiierten Kulturförderung war damit, wie es der Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz (1900–1972) formulierte, „eine glückliche Verbindung zwischen privatem Mäzenatentum und öffentlicher Förderung“ geworden.

Neue Eigenständigkeit – und neues Renommee

Die Statutenänderungen hatten dem Preis zwischenzeitlich etwas von seinem ursprünglichen Profil genommen.

Seit 1977 wird zusätzlich zum Hauptpreis ein Hermann-Hesse-Förderpreis verliehen.

1994 wurde der Hermann-Hesse-Literaturpreis in eine eigenständige Stiftung überführt seither erfolgt die Preisvergabe im Rhythmus von zwei Jahren. Seit 2004 wird der Hermann-Hesse-Literaturpreis von der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe betreut. Mit den Preisträger*innen der vergangenen Jahre gewann er weiter an Renommee. Trotz der Schwierigkeiten durch die Finanzkrise konnten Haupt- und Förderpreis weiterhin im zweijährigen Rhythmus verliehen und weitere Stifter gewonnen werden.

Hauptpreisträger*innen seit 1957

  • 1957: Martin Walser für Ehen in Philippsburg
  • 1962: Ernst Augustin für Der Kopf
  • 1965: Hubert Fichte für Das Waisenhaus
  • 1968: Hans Saner für Kants Weg vom Krieg zum Frieden
  • 1971: Mario Szenessy für Lauter falsche Pässe
  • 1974: Adolf Muschg für Albissers Grund
  • 1977: Dieter Kühn für Ich, Wolkenstein
  • 1980: Ernst-Jürgen Dreyer für Die Spaltung
  • 1984: Natascha Wodin für Die gläserne Stadt
  • 1988: Uwe Pörksen für Die Ermordung Kotzebues oder Kinder der Zeit
  • 1991: Gerhard Meier für Land der Winde
  • 1994: Rafik Schami für Der ehrliche Lügner
  • 1997: Klaus Merz für Jakob schläft
  • 1999: Markus Werner für Der ägyptische Heinrich
  • 2001: Marlene Streeruwitz für Nachwelt
  • 2003: Klaus Böldl für Die fernen Inseln
  • 2005: Hans-Ulrich Treichel für Menschenflug
  • 2007: Antje Rávic Strubel für Kältere Schichten der Luft
  • 2009: Alain Claude Sulzer für Privatstunden
  • 2012: Annette Pehnt für Chronik der Nähe
  • 2014: Angelika Klüssendorf für April
  • 2016: Christian Kracht für Die Toten
  • 2018: Thomas Hettche für unsere leeren herzen. Über Literatur
  • 2020: Iris Hanika für Echos Kammern
  • 2022: Sasha Marianna Salzmann für Im Menschen muss alles herrlich sein
  • 2024: Eckhart Nickel für Punk

Förderpreisträger*innen seit 1977

  • 1977: Klaus Stiller für Die Faschisten, Rainer Malkowski für Einladung ins Freie
  • 1980: Roland Lang für Die Mansarde, Martin Grzimek für Berger
  • 1984: Friedrich-Wilhelm Korff für Auswege
  • 1988: Eva Schmidt für Ein Vergleich mit dem Leben
  • 1991: Elmar Schenkel für Massachusetts
  • 1994: Arnold Stadler für Feuerland
  • 1999: Ludwig Steinherr für Musikstunde bei Vermeer
  • 2001: Jan Wagner für Probebohrungen im Himmel
  • 2003: Christoph Amend für Morgen tanzt die ganze Welt
  • 2005: Silke Scheuermann für Der zärtlichste Punkt im All
  • 2007: Franziska Gerstenberg für Solche Geschenke
  • 2009: Christophe Fricker für Das schöne Auge des Betrachters
  • 2012: Ann Cotten für Florida-Räume
  • 2014: Dorothee Elmiger für Schlafgänger
  • 2016: Benjamin Maack für Monster
  • 2018: Paul-Henri Campbell für nach den narkosen
  • 2020: Nadine Schneider für Drei Kilometer
  • 2022: Steven Uhly für Die Summe des Ganzen
  • 2024: Amir Gudarzi für Das Ende ist nah